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Voces Valientes Comas

VVC - Voces Valientes Comas – das steht für ein Bildungsangebot im Stadtteil Comas. Einem Stadtteil, der eher von Armut geprägt ist. Sehr viele Familien stehen unter hohem finanziellem Druck. Die Kinder sind oft mangelernährt. Viele Mütter sind alleinerziehend, manche sind noch sehr jung. In der Schule gibt es oft weder Englischunterricht, noch Kunst oder Musik. Es mangelt am Leseverstehen. Und natürlich ganz grundsätzlich an Bildung. Deshalb bauen wir so eine Art Bildungs-Ort auf und wir starten bei den Kindern.

 

Wie alles begann… Vorgeschichte: Die Christuskirche hatte lange Zeit mit dem Verein „Casa Belén“ gearbeitet. Die Casa Belén war ein Kinderkindergarten im Stadtteil Breña. Darüber hinaus gab es dort eine Frauenarztpraxis und eine kleine Zahnarztpraxis. Für die Kinder wurde in einer großen Küche frisch gekocht. Viele engagierten sich ehrenamtlich- sowohl aus der Kirchengemeinde als auch darüber hinaus, zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen vom Colegio Humboldt. Aus verschiedenen Gründen musste der Verein seine Arbeit im Jahr 2021 beenden. Damit ging auch für die Christuskirche ein Stück Geschichte zu Ende. 

 

„Wie und wo sollte sich die Christuskirche nun engagieren?“, das fragten wir uns nun, als wir 2022 nach Lima kamen. Tabea hatte irgendwie Lust, eine musikalische Arbeit anzubieten, eine Art Chor. Und das irgendwo dort, wo Kinder kaum Zugang zu Musik haben oder zu musikalischer Bildung. Dazu hatten wir ein bisschen Geld im Gepäck. Die BRUKER-Stiftung hatte uns 10.000 Euro zugesagt, um ein Projekt unserer Wahl aufzubauen. Wir besuchten einige Gemeinden im Umfeld, gerade auch in den etwas vulnerableren Vierteln im weiteren Umkreis unserer Gemeinde. Einige schöne Begegnungen ergaben sich. Wir wurden gesegnet für unsere Arbeit. Aber eine Zusammenarbeit konnte sich niemand vorstellen. 

 

An einem Sonntag im Februar 2023 tauchte Betsabeth mit ihrer Freundin Yessy im Gottesdienst auf. Beide sind Peruanerinnen und sprechen kein deutsch. Sie blieben auch noch zum Kirchenkaffee. Und auch noch, als alle anderen schon gegangen waren. „Also gut“, dachte ich (Tabea), als mir mit meinem mageren Spanisch der Gesprächsstoff ausgegangen ist, „erzähl ich ihnen halt noch von unserer Idee.“ Die eine trat die andere unterm Tisch und die, die getreten wurde, hatte irgendwie einen Glanz in ihrem Blick, den ich vorher noch nicht wahrgenommen hatte. Es stellte sich heraus, dass Betsabeth (die ein Studium in Theologie und Educación abgeschlossen hatte) gerade wieder nach Comas in das Haus ihrer Eltern gezogen war und schon länger den Traum hatte, Kindern einen Ort anzubieten, an dem sie lernen und ein bisschen träumen dürfen. Um einen Blick über den Tellerrand zu bekommen, über sich hinauszuwachsen, zu lesen, Gaben zu entdecken und auszuprobieren. 

 

Und dann ging eigentlich alles ganz schnell. Ein paar Wochen später trafen Betsabeth und ich (Tabea) uns in der Stadt. Schwager Simon in Deutschland half uns mit dem Logo, Betsabeth verteilte Flyer und ging von Tür zu Tür. Und noch etwas später konnten wir tatsächlich zum allerersten Mal die Tür für die Voces Valientes Comas öffnen. An einem Samstag, mit einem guten frischen Frühstück, mit Musik und Spielen für ein paar Kinder aus der Nachbarschaft.

 

Inzwischen sind wir schon im vierten Jahr unserer Arbeit. Zweimal pro Woche öffnen wir die Türen für die Kinder. Der Platz reicht kaum noch aus für die 30 Kinder. Wir wollen gern ausbauen. Neben dem Chor-Angebot gibt es inzwischen zusätzlich samstags immer wieder abwechelnde Angebote aus dem Bereich Kunst, Theater, Englisch, Lesen, Kochen usw.

 

Und Betsabeth? Ist inzwischen Vikarin in unserer Gemeinde. In einem Jahr wollen wir sie ordinieren und als „Pastora del área social“/Pastorin im Bereich Soziales anstellen. Das Angebot für die Kinder und inzwischen auch Jugendlichen soll ganzheitlich sein. Dazu trägt unsere Köchin Susi bei. Sie kocht immer frisch und asgewogen und bereitet für jeden Anlass und jedes Klima das passende Getränk dazu vor. Vielleicht können wir die Arbeit irgendwann noch weiter ausbauen und auch die Stimmen der Mütter stärken, die wartend auf dem Randstein gegenübersitzen. Dass auch sie mutig und kraftvoll ihre Stimme erheben mögen für das Leben und ihre Kinder und auch für sich selbst.

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